Lawinenunfälle Statistik Tabelle: Tödliche Lawinenunfälle im Fünfjahresvergleich nach Bundesländern & Alpenländern 2026

Für die Vergleichstabelle nutze ich die Lawinen-Unfallstatistik des European Avalanche Warning Service (EAWS) und ergänze sie um die regionalen Daten aus Bayern, Österreich und der Schweiz. Wichtig: Die Alpenländer verwenden teilweise unterschiedliche Statistikzeiträume; deshalb sind die Saisonwerte nicht mit Kalenderjahren gleichzusetzen.

Lawinen gehören zu den gefährlichsten Naturgefahren im winterlichen Gebirge. Besonders beim Skitourengehen, Variantenfahren, Freeriden und bei Hochtouren können Schneebrett- und Lockerschneelawinen innerhalb weniger Sekunden große Schneemassen in Bewegung setzen. Die Zahl der tödlichen Lawinenunfälle schwankt von Jahr zu Jahr erheblich und hängt unter anderem von Schneelage, Wetter, Lawinenaktivität, Anzahl der Wintersportler und den jeweiligen Lawinenproblemen ab.

Für eine Statistik 2026 ist zunächst eine Besonderheit zu beachten: Das Lawinenjahr wird in vielen alpinen Statistiken saisonbezogen ausgewertet. Der European Avalanche Warning Service (EAWS) erfasst Todesfälle vom 1. Oktober bis zum 30. September des Folgejahres. In Österreich verwendet das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) ebenfalls überwiegend einen Zeitraum vom 1. November bis 31. Oktober. Deshalb sollten die Werte nicht ohne Hinweis mit Kalenderjahren gleichgesetzt werden.

Tödliche Lawinenunfälle im Alpenraum: Fünfjahresvergleich

Für den internationalen Vergleich eignet sich die EAWS-Statistik besonders gut. Sie erfasst die Zahl der durch Lawinen getöteten Personen in den einzelnen Ländern.

Lawinentote 2020/21 bis 2024/25

Alpenland 2020/21 2021/22 2022/23 2023/24 2024/25 5-Jahres-Summe
Österreich 15 18 15 16 8 72
Deutschland 0 4 0 1 0 5
Schweiz 30 14 23 20 20 107
Italien 27 8 24 13 11 83
Frankreich 40 9 25 16 21 111
Slowenien 3 0 0 1 0 4

Quelle: European Avalanche Warning Service (EAWS), jährliche Fatality-Statistiken. Die EAWS weist für Europa im langfristigen Mittel rund 100 Lawinentote pro Jahr aus.

Die Tabelle zeigt deutliche Schwankungen. Besonders auffällig ist Frankreich: Während 2020/21 insgesamt 40 Todesopfer registriert wurden, waren es 2021/22 nur neun. Auch die Schweiz schwankt deutlich zwischen 14 und 30 Todesfällen pro Saison.

Deutschland: Lawinenunfälle konzentrieren sich auf Bayern

Deutschland nimmt im internationalen Vergleich eine Sonderstellung ein. Die deutschen Alpen liegen praktisch vollständig in Bayern, weshalb tödliche Lawinenunfälle innerhalb Deutschlands überwiegend aus dem bayerischen Alpenraum stammen.

Der Bayerische Lawinenwarndienst führt eine eigene Übersicht über sämtliche tödlichen Lawinenunfälle im bayerischen Alpenraum seit 1991. Dadurch lässt sich das regionale Unfallgeschehen wesentlich genauer nachvollziehen als über die internationale Länderstatistik.

Deutschland nach Bundesländern

Bundesland Bedeutung für Lawinenunfälle Einordnung 2026
Bayern praktisch gesamtes deutsches Alpengebiet wichtigste Region
Baden-Württemberg kein hochalpines Lawinengebiet wie Bayern einzelne winterliche Lawinenereignisse möglich, aber keine vergleichbare alpine Unfallstatistik
übrige Bundesländer keine deutschen Alpen keine regelmäßige alpine Lawinenunfallstatistik

Für einen Vergleich „nach Bundesländern“ ist Bayern deshalb die entscheidende deutsche Region. Eine bundesländerübergreifende Tabelle wäre bei tödlichen Lawinenunfällen irreführend, wenn sie die sehr unterschiedlichen topografischen Voraussetzungen nicht berücksichtigt.

Deutschland im Fünfjahresvergleich

Nach der internationalen EAWS-Erfassung wurden in Deutschland folgende Lawinentote registriert:

Saison Deutschland
2020/21 0
2021/22 4
2022/23 0
2023/24 1
2024/25 0
Summe 5

Damit lag Deutschland in vier der fünf betrachteten Saisons bei höchstens einem Todesopfer. Nur 2021/22 wurden vier Todesfälle registriert.

Österreich: Tirol ist das wichtigste Lawinenunfallgebiet

Österreich gehört zu den Ländern mit einer besonders umfangreichen Lawinen- und Alpinunfallstatistik. Das ÖKAS arbeitet gemeinsam mit der österreichischen Alpinpolizei und erfasst jährlich mehr als 8.000 Alpinunfälle über die gemeinsame Datenbank. Tödliche Unfälle werden dabei lückenlos dokumentiert.

Bei den Lawinenunfällen ist Tirol traditionell das wichtigste österreichische Bundesland. Das hängt unter anderem mit der Größe des alpinen Gebiets, der hohen Zahl an Skitourengehern und Freeridern sowie der touristischen Bedeutung der Tiroler Berge zusammen.

Österreichische Lawinenunfälle nach Bundesland – Beispiel 2023/24

Die österreichische Statistik für November 2023 bis Oktober 2024 weist insgesamt 112 Lawinenunfälle und 16 Todesopfer aus.

Bundesland Lawinenunfälle Tote Verunfallte insgesamt
Tirol 48 9 107
Vorarlberg 18 1 25
Salzburg 17 1 27
Oberösterreich 13 2 18
Steiermark 8 0 13
Kärnten 6 3 12
Niederösterreich 2 0 2
Österreich gesamt 112 16 204

Quelle: Österreichisches Bundesministerium für Inneres/ÖKAS, Alpinstatistik 2023/24.

Die Tabelle verdeutlicht, dass Tirol sowohl bei der Zahl der Lawinenunfälle als auch bei den Todesfällen eine herausragende Rolle spielt.

Österreich: Entwicklung der tödlichen Lawinenunfälle

Der Fünfjahresvergleich zeigt folgende Werte:

Saison Lawinentote Österreich
2020/21 15
2021/22 18
2022/23 15
2023/24 16
2024/25 8
Summe 72

Im Winter 2024/25 lag die Zahl damit deutlich unter den vier vorhergehenden Saisons. Der Wert von acht Todesopfern entspricht weniger als der Hälfte des Wertes von 2021/22.

Schweiz: Hohe Zahl an Lawinenopfern trotz langfristigem Rückgang

Die Schweiz verfügt mit dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF über eine besonders lange Lawinen-Unfalldatenbank. Das SLF sammelt Daten zu Lawinenunfällen seit dem Winter 1936/37. Über die gesamte Zeit betrachtet starben durchschnittlich 24 Menschen pro Jahr in Lawinen; der aktuelle 20-Jahres-Mittelwert liegt laut SLF bei etwa 21 Todesopfern pro Jahr.

Schweiz: Lawinentote im Fünfjahresvergleich

Saison Tote in der Schweiz
2020/21 30
2021/22 14
2022/23 23
2023/24 20
2024/25 20
Summe 107

Die Schweiz kommt damit im betrachteten Fünfjahreszeitraum auf mehr als 100 Todesopfer.

Besonders interessant ist die starke regionale Konzentration. Zu den am häufigsten betroffenen Kantonen gehören insbesondere Wallis, Graubünden und Bern. Die detaillierte SLF-Datenbank listet einzelne tödliche Lawinenunfälle mit Kanton, Ort, Höhe, Lawinengefahrenstufe und Aktivität auf.

Schweiz 2024/25: vergleichsweise wenige Todesfälle

Im Winter 2024/25 starben in der Schweiz insgesamt 20 Menschen in Lawinen. Bis Mitte April waren zunächst zehn Todesopfer registriert worden; die abschließende Saisonstatistik erhöhte die Zahl auf 20.

Das SLF stellte fest, dass die Zahl der erfassten Personenlawinen leicht über dem 20-jährigen Durchschnitt lag, die Zahl der Todesopfer jedoch darunter. Für die geringere Opferzahl wurden unter anderem kleinere Lawinenanrisse und eine gut funktionierende Kameradenrettung als mögliche Faktoren genannt.

Italien, Frankreich und Slowenien

Auch Italien und Frankreich gehören zu den wichtigsten Ländern der europäischen Lawinenstatistik.

Frankreich erreichte im betrachteten Zeitraum mit 111 Todesfällen die höchste Fünfjahressumme der sechs hier verglichenen Alpenländer. Italien folgte mit 83 Todesfällen. Österreich kam auf 72.

Fünfjahressumme 2020/21 bis 2024/25

Land Lawinentote Durchschnitt pro Saison
Frankreich 111 22,2
Schweiz 107 21,4
Italien 83 16,6
Österreich 72 14,4
Deutschland 5 1,0
Slowenien 4 0,8

Die Werte stammen aus den jeweiligen EAWS-Saisondaten. Sie beschreiben Todesfälle durch Lawinen und nicht sämtliche Lawinenereignisse oder Lawinenunfälle ohne Todesfolge.

Lawinentote 2026: Saison 2025/26

Für die Wintersaison 2025/26 liegt inzwischen ebenfalls eine EAWS-Jahresübersicht vor. Insgesamt wurden in Europa 151 Todesopfer registriert. Damit lag die Zahl deutlich über dem langfristigen europäischen Durchschnitt von rund 100 Todesfällen pro Jahr.

Für die wichtigsten Alpenländer weist die EAWS folgende Werte aus:

Land Lawinentote 2025/26
Österreich 33
Schweiz 18
Italien 40
Frankreich 35
Deutschland 0
Slowenien 3
Liechtenstein 0

Quelle: European Avalanche Warning Service, Saison 2025/26.

Damit war die Saison 2025/26 in mehreren Alpenländern deutlich tödlicher als die unmittelbar vorausgegangene Saison 2024/25.

Tirol und Südtirol: Auffällige Lawinensaison 2025/26

Die Wintersaison 2025/26 war insbesondere im Tiroler und Südtiroler Alpenraum durch eine außergewöhnliche Lawinensituation geprägt.

In der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino wurden insgesamt 62 Lawinenereignisse mit 40 Todesopfern und 34 Verletzten registriert. Davon entfielen auf Tirol 36 Ereignisse mit 18 Todesopfern, auf Südtirol 17 Ereignisse mit 16 Todesopfern und auf das Trentino neun Ereignisse mit sechs Todesopfern.

Zum Vergleich: In der Wintersaison 2024/25 wurden in derselben Euregio sieben Todesopfer in Tirol, drei in Südtirol und eines im Trentino registriert.

Lawinenunfälle und Todesfälle sind nicht dasselbe

Eine wichtige statistische Unterscheidung betrifft die Begriffe Lawinenunfall, Lawinenereignis und Lawinentoter.

Ein Lawinenunfall kann mehrere Personen betreffen. Außerdem können Menschen von einer Lawine erfasst werden und unverletzt bleiben. Die Zahl der Lawinenunfälle ist deshalb immer größer als oder gleich der Zahl der tödlichen Ereignisse, während die Zahl der erfassten Personen wiederum höher liegen kann.

Die österreichische Statistik für 2023/24 zeigt dieses Verhältnis besonders deutlich: 112 Lawinenunfälle führten zu 204 erfassten Personen, darunter 144 Unverletzte, 40 Verletzte und 16 Tote.

Warum schwanken die Zahlen von Jahr zu Jahr so stark?

Lawinenunfälle weisen eine hohe natürliche Schwankungsbreite auf. Entscheidend sind unter anderem:

  • Schneemenge und Schneeverteilung
  • Aufbau der Schneedecke
  • schwache Schichten innerhalb der Schneedecke
  • Neuschnee
  • Windverfrachtungen
  • Temperaturentwicklung
  • Anzahl der Wintersportler im freien Gelände
  • Tourenwahl und Gelände
  • Lawinengefahrenstufe
  • Verhalten der Wintersportler
  • Qualität der Lawinenprognosen und Sicherheitsausrüstung

Die Statistik der Schweiz zeigt beispielsweise, dass die Zahl der Personenlawinen und der Zahl der Todesopfer nicht zwangsläufig parallel verlaufen. Im Winter 2024/25 wurden mehr Personenlawinen als im langjährigen Mittel gemeldet, gleichzeitig lag die Zahl der Todesfälle deutlich darunter.

Tödliche Lawinenunfälle nach Regionen: Was die Tabelle zeigt

Der Fünfjahresvergleich macht die geografische Konzentration deutlich. Deutschland hat aufgrund seines vergleichsweise kleinen alpinen Gebiets eine sehr niedrige absolute Zahl. Innerhalb Deutschlands ist Bayern die zentrale Region.

In Österreich konzentriert sich das Geschehen stark auf die westlichen Alpen, insbesondere Tirol. In der Schweiz sind vor allem Wallis, Graubünden und Bern regelmäßig in der Statistik vertreten. In Frankreich und Italien sorgen die großen alpinen Gebiete für entsprechend höhere absolute Opferzahlen.

Dabei bedeutet eine hohe Zahl von Lawinentoten nicht automatisch ein höheres individuelles Risiko für jeden Wintersportler. Länder mit vielen Bergen und sehr vielen Tourengehern, Freeridern und Bergsteigern haben naturgemäß mehr Gelegenheiten für Lawinenunfälle.

Lawinenstatistik 2026: Deutschland und Alpenländer im Überblick

Vergleichstabelle

Region/Land 2020/21 2021/22 2022/23 2023/24 2024/25 2025/26
Deutschland 0 4 0 1 0 0
Österreich 15 18 15 16 8 33
Schweiz 30 14 23 20 20 18
Italien 27 8 24 13 11 40
Frankreich 40 9 25 16 21 35
Slowenien 3 0 0 1 0 3

Die Werte für 2020/21 bis 2024/25 stammen aus den EAWS-Jahresstatistiken; die Werte für 2025/26 aus der aktuellen EAWS-Saisonübersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Fazit

Der Fünfjahresvergleich zeigt deutliche Unterschiede zwischen Deutschland und den großen Alpenländern. Deutschland kam zwischen 2020/21 und 2024/25 auf lediglich fünf tödliche Lawinenopfer, wobei Bayern als deutsches Alpenland die zentrale Region darstellt.

Österreich verzeichnete im selben Zeitraum 72 Todesopfer, die Schweiz 107, Italien 83 und Frankreich 111. Slowenien kam auf vier Todesfälle. Die Unterschiede hängen wesentlich mit der Größe der alpinen Gebiete und der Zahl der Menschen zusammen, die dort Wintersport und Bergsport betreiben.

Für 2025/26 zeigt sich zudem ein deutlicher Ausschlag nach oben: Die EAWS registrierte 33 Tote in Österreich, 18 in der Schweiz, 40 in Italien und 35 in Frankreich. Deutschland wurde mit null Todesopfern ausgewiesen.

Besonders auffällig war die Saison 2025/26 im Raum Tirol, Südtirol und Trentino. Dort wurden insgesamt 40 Todesopfer bei 62 Lawinenereignissen registriert.

Die Statistik sollte deshalb nicht nur als Rangliste der Länder betrachtet werden. Für die Beurteilung des Lawinenrisikos sind zusätzlich die Zahl der Wintersportler, die Zahl der Tourentage, die Schneeverhältnisse, die Lawinengefahrenstufe und die jeweiligen Aktivitäten entscheidend.

Veröffentlicht am
Kategorisiert als Allgemein